Akzeptanz oder Ablehnung?: Vorurteile und soziale Distanz by Joachim Brüß

By Joachim Brüß

Bislang hat sich die migrationssoziologische Vorurteilsforschung zumeist mit den Einstellungen der Aufnahmegesellschaft gegenüber den zugewanderten Migranten befasst. Nach den gewalttätigen Anschlägen in Deutschland Anfang der 90er Jahre stellt sich allerdings auch die Frage, inwieweit auf Seiten der Migranten zunehmend von Vorurteilen und sozialer Distanz gegenüber der Aufnahmegesellschaft zu sprechen ist.

Joachim Brüß identifiziert mittels einer Feldstudie die wechselseitigen Einstellungsstrukturen von Jugendlichen türkischer und deutscher Herkunft und erklärt sie mit Hilfe sozialpsychologischer und migrationssoziologischer Theorieangebote. Im Ergebnis zeigt sich, dass die Jugendlichen deutscher Herkunft eine einheitlichere Einstellung zu türkischen Jugendlichen haben als diese zu ihnen. Zur Erklärung der wechselseitigen Einschätzungen sind für die deutschen Jugendlichen vor allem die Eigengruppenfavorisierung und die erlebten Benachteiligungen wichtig. Für die Jugendlichen türkischer Herkunft spielen insbesondere das Vertrauen in das Rechtssystem und die Bedeutung der eigenen Kultur eine erhebliche Rolle.

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Darauf hin, daB sich mit dieser Konzeption sowohl individuelle Vergleiche (qua egoistischer Deprivation) als auch soziale Vergleiche (qua fratemaler Deprivation) einfangen lassen. Zudem bietet der Bezug zu sozialen Vergleichen den adaquaten Beriihrungspunkt mit der Theorie sozialer Identitat. Mit Walker und Pettigrew (1984: 306) kann in Anlehnung an die Differenz von inter-individuellem versus intergruppalem Verhalten (Tajfel und Turner 1979) im allgemeinen angenommen werden, daB intra- und interpersonelle Vergleiche zu individuell basierten Verhaltensweisen fiihren, wiihrend Gruppenvergleiche in gruppenbasierte Verhaltensweisen mUnden.

Optimale Distinktion ist unabhangig von bewertenden Implikationen der Gruppenzugehorigkeit, wenngleich Individuen positive Gruppenidentitaten bevorzugen. 3. Die Distinktion einer bestimmten sozialen Identitat ist kontextspezifisch und hangt yom Bezugsrahmen ab, der zu einer bestimmten Zeit flir Gruppenidentitaten verfugbar ist. 4. Der optimale Grad an Distinktion ist eine Funktion aus der relativen Starke der widerstreitenden Krafte von Assimilation und Differenzierung. Dabei ist flir jedes Individuum die relative St1irke der beiden Bediirfnisse durch kulturelle Normen, die individuelle Sozialisation und die zuletzt gemachten Erfahrungen bestimmt.

32 Dazu z. B. Michael Billig (1976). 2 Gebrauch von Kategorien und Eigengruppenbevorzugung Vorurteilsneigungen lassen sich, ebenso wie Stereotypisierungen, als Produkt sozialer Kategorisierung auffassen. Wahrend der friihkindlichen Sozialisation werden (vgl. Kap. 1) durch Kategorisierungen Fundamente flir die Ausbildung von Vorurteilen gelegt. Kategorisierungen werden damit als Voraussetzungen fUr Vorurteile gedacht, und ihr Einsatz in bestimmten Kontexten ist von erheblicher Relevanz. Der Social Identity Approach greift in diesem Zusammenhang die Beobachtung auf, daB sich in den Einschatzungen gegentiber relevanten anderen Gruppen in der Regel Eigengruppenbevorzugungen nachweisen lassen.

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